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letzte Änderung: 14.12.2017
Ratgeber
Gefahren durch C0 (Kohlenmonoxid) Kohlenmonoxid: Farblos, geruchlos, geschmacklos – und tödlich
Was ist Kohlenmonoxid und wo entsteht es?   Kohlenmonoxid – chemisches Zeichen „CO“ – entsteht bei der unvollständigen Verbrennung organischen Materials (z. B. Holz, Kohle, Öl, Benzin etc.). Braunkohleschwefelgase enthalten besonders viel CO, wesentlich mehr als Auspuffgase oder Steinkohleschwefelgase. Auch der CO-Anteil im Tabakrauch darf nicht vergessen werden. Da CO farb-, geruchs- und geschmacklos ist, kann der Mensch es mit seinen Sinnen nicht wahrnehmen. Hier liegt ein Teil der besonderen Gefahr, die von diesem hochgradig giftigen Gas ausgeht. Die Vergiftungsursachen sind regional sehr unterschiedlich. Insgesamt kommen in Frage: - unsachgemäßer Betrieb von Hausbrandanlagen (Kohleofen, Gasheizung), - Brände, - berufliche Expositionen, - Selbstmordversuche mit Autoabgasen, Ofenrauch etc.   Rauchgasvergiftungen sind immer Mischvergiftungen mit verschiedenen Gasen (CO, HCN, Nitro- und Chlorgase etc.). Dabei zeigt sich jedoch, dass das Krankheitsgeschehen in der Regel vom Kohlenmonoxid dominiert wird. Nahezu alle – 98% – der Todesfälle bei Rauchgasvergiftungen sind durch CO verursacht.   Wie häufig sind CO-Vergiftungen?   Die CO-Vergiftung ist häufig. Sie stellt in den Industrienationen die häufigste tödliche Vergiftung dar. Für die Bundesrepublik werden jährlich 1.500 bis 2.000 Todesfälle angenommen. In Frankreich konnte ermittelt werden, dass auf Grund des vielfältigen Erscheinungsbildes 30% der CO-Vergiftungen nicht richtig erkannt und behandelt werden.   Giftwirkungen von CO   Kohlenmonoxid besetzt im Körper die Bindungsstellen für den lebenswichtigen Sauerstoff. Die Symptome der CO-Vergiftung entstehen also im weiteren Sinne durch einen Sauerstoffmangel. Im Wesentlichen lassen sich drei Wirkungen unterscheiden: - Abnahme der Sauerstofftransportkapazität des Blutes: CO bindet sich 200-300mal stärker an den roten Blutfarbstoff   (Hämoglobin) als Sauerstoff. Dies erklärt, warum schon die geringe CO-Menge von 0,07 Vol.% in der Luft 50% der   Sauerstofftransportkapazität einnimmt. - Vergiftung der Gewebsatmung: Auch die Enzyme der Atmungskette in den Körperzellen werden vom CO besetzt,   so dass Sauerstoff nur noch in geringem Maße zur Energiegewinnung verstoffwechselt werden kann. - Vergiftung des Kurzzeitsauerstoffspeichers: Myoglobin kann insbesondere im Herzmuskel kurzfristige Schwankungen   des Sauerstoffangebotes über einige Sekunden kompensieren. Auch dieses Eiweiß wird wie der Sauerstofftransporter   Hämoglobin durch CO funktionslos.   Symptome und Diagnostik der akuten CO-Vergiftung   Die CO-Vergiftung wird auch als „Chamäleon der Notfallmedizin“ bezeichnet. Die wenig richtungsweisende Symptomvielfalt macht die Diagnose bei uneindeutigen Begleitumständen (keine Brandquelle, Abgasquelle etc. zu erkennen) schwierig. Besonders empfindlich reagieren Organe mit einem hohen Sauerstoffbedarf wie das Herz und das Gehirn. Eine Vergiftung von 10% des Hämoglobins mit CO bleibt ohne Symptome und bildet bei Rauchern den Normalzustand. Bei Werten darüber tritt starker Stirnkopfschmerz, Abgeschlagenheit und Atemnot auf. Bei höhergradigen Vergiftungen können Brustschmerzen im Sinne einer Angina pectoris, Herzrhythmusstörungen, Halluzinationen, Apathie, Krampfanfälle und andere neurologische Zeichen hinzutreten. Bei schwersten Vergiftungen mit einer CO-Blockade von über 50% des Hämoglobins kommt es zum Schock, zu Bewusstlosigkeit und zum Tod durch Störungen des Temperatur- (Überhitzung) oder Atemzentrums (Atemlähmung) im Gehirn. Die viel zitierte „kirschrote“ Hautfarbe der Vergiftungsopfer wird in der Praxis selten beobachtet. Die Schwereder CO-Vergiftung ist auch abhängig von der Dauer der CO-Einwirkung und u. U. bestehenden Begleiterkrankungen wie z. B. Schäden des Herzmuskels usw.  Aus einer Blutprobe lässt sich der mit CO vergiftete Hämoglobinanteil als sogenanntes „CO-Hb“ bestimmen. Dieser Wert reflektiert jedoch nur die Behinderung des Sauerstofftransports im Blut und gibt keine Informationen über die Hemmung der Atmungskette.
Spätschäden nach CO-Vergiftung   Nach Tagen bis zu drei Wochen nach einer CO-Vergiftung entwickeln 10 bis 40% der Opfer Folgeschäden an Herz und Nervensystem, die auch bei leichten Vergiftungen beobachtet wurden. Hierzu gehören Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen, Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit, Persönlichkeitsveränderungen, aber auch Psychosen und parkinson-ähnliche Erkrankungen. Am Herz können eine dauerhafte Leistungsschwäche oder vielfältige Rhythmusstörungen als Spätschäden auftreten.   Behandlung   Der Vergiftete muss schnellstmöglich aus der CO-verseuchten Atmosphäre gerettet werden. Hierbei ist selbstverständlich auch der Eigenschutz des Retters zu beachten. Sauerstoff und CO sind an ihren Bindungsstellen Konkurrenten, d. h. je mehr Sauerstoff im Körper vorhanden ist, desto schneller wird CO eliminiert. Daher gehört die sofortige Sauerstoffgabe zu den wichtigsten notfallmedizinischen Maßnahmen. Während bei Atmung normaler Luft nach 240 Minuten die Hälfte des Kohlenmonoxids aus dem Körper eliminiert ist, gelingt dies bei Atmung von reinem Sauerstoff in 90 Minuten. Noch mehr Sauerstoff lässt sich im Körper nur mit einer Druckkammertherapie (hyperbare Sauerstofftherapie = ) anreichern. Bei einer Behandlung mit 3,0 bar Gesamtdruck (entsprechend 20 Meter Wassersäule) und reiner Sauerstoffatmung verkürzt sich die oben genannte Zeit nochmals auf 22 Minuten. Je nach Zustand des Patienten werden intensivmedizinische Maßnahmen angewendet, die selbstverständlich während einer HBO fortgesetzt werden müssen. Internationale Fachgesellschaften empfehlen die HBO in folgenden Situationen: - bei komatösen Patienten - bei allen Schwangeren - bei Bewusstlosigkeit irgendwann während der CO-Exposition - bei allen neurologisch und/oder psychisch auffälligen Patienten.   Dr. med. Christian Plafki